Bekannt geworden wurde Monika Strub aus einem Song, der bei Stefan Raabs “Bundesvision Song Contest” von der Band “Orsons” präsentiert wurde.

Die gelernte Krankenpflegerin und Fotografin, war im vergangenen Jahr bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg für die Linken angetreten. Die 36jährige war einst als Horst Strub bekannt und war damals Mitglied der rechtsradikalen NDP. Sie erklärte, dass sie damals als schüchterner Mitläufer, sich von der Gruppe beschützt fühlte. Hätten sie damals von ihrer Transidentität gewusst, wäre aus der Mitgliedschaft vermutlich nichts geworden. Heute ist die politisch engagierte Transfrau als Teilzeitfotografin tätig und hilft ehrenamtlich in einer Armenküche aus.
Nicht nur durch ihren neuen Körper gewandelt, spricht die inzwischen taffe Frau offen über ihre Mitgliedschaft zwischen 2000 und 2002 bei der NDP. Sie bezeichnet diese Etape ihres Lebens als Phase, bzw. tut dies als Jugendsünde ab. Auch damals begab sie sich schon, als Frau verkleidet, in diverse Schwulenclubs, um sich als Frau zu präsentieren.
Die Band Orsons, die den Song von “Horst und Monika” präsentierten, kam in die Schlagzeilen, weil sie ein weit verbreitetes Klischee bedienten. Die Liedzeile: “Also hat Horst gedacht: schneid‘ ich ihn einfach ab”, verärgerte besonders transidente Menschen, die über längere Zeit einen harten Kampf mit ihrer Identität haben. Dass eine solche Entscheidung, schon mal gar nichts mit etwas einfach abschneiden zu tun hat, zeigen jahrelange Therapien der Menschen, die im falschen Körper geboren wurden.
Wenn es so einfach wäre, auf zu stehen und einfach jemand Anderer zu sein, dann wäre vermutlich vieles einfacher für die betroffenen Menschen. Wir können uns das nicht so vorstellen, wie den Wunsch eines Mannes, einen Tag eine Frau sein zu wollen, vielmehr ist eine solche Entscheidung endgültig, wie uns Nikolas Burtscher erklären kann.

GOTS: Nikolas, Du musst dies ja aus einer anderen Sichtweise vertreten, Du wurdest als Frau geboren und bist inzwischen ein Mann. Wie schwierig sind solche Identitätsfindungen?
Nikolas: Die Identitätsfindung selbst ist nicht das Schwierige, sondern den Mut zu haben, so zu leben wie man empfindet. Ich habe mich vor 10 Jahren entschieden diesen Weg zu gehen, aber gewusst habe ich es schon seit ich denken kann. Der Gesellschaftliche Druck lässt Betroffene erst nach Jahren oder Jahrzehnten ihr gefühltes Geschlecht leben.
GOTS: Wie sehr ist die Geschlechtsidentität eine Entscheidung, schließlich sind Änderungen des Geschlecht, nicht nur eine Änderung des Vornamens?
Nikolas: Es ist keine Entscheidung! So wie Jemand sich als Mann oder Frau fühlt, wissen dies die Betroffene auch, das sie klar Mann oder Frau sind. Jedoch entscheidet sich nicht jeder Transidente Mensch für Geschlechtsangleichende OP´s, dies muss aus meiner Sicht jedem selbst überlassen bleiben, schließlich ist es keine Blindarm OP.
GOTS: Wie sieht es mit der medizinischen Versorgung in Österreich aus, schließlich erfordern diese Eingriffe ja auch Fachkräfte. Können sie hier einige Spezialisten/innen in Österreich empfehlen?
Nikolas: Um ehrlich zu sein, sieht es nicht rosig aus. Es gibt zu wenig Erfahrung in Österreich. Vor einiger Zeit wurden zwar Operationen in der Steiermark gemacht, jedoch fehlte auch dort die Erfahrung. Betroffene werden Operiert, aber wenn nach der OP Komplikationen wie Harnröhren Verengungen auftreten, lässt man die Patienten im Regen stehen. Wir bearbeiten gerade genau einen solchen Fall und der Betroffene leidet sehr darunter.
Zur Zeit kann ich leider keine Kompetenz in Österreich nennen, die ich für die Penoidaubau OP´s empfehlen kann. Nicht verwunderlich, bei den geringen Fallzahlen die wir in Österreich haben, ist Deutschland weit voraus. Erschwerend hinzu kommt, dass es in Österreich um Machtspielchen von Krankenkassen und Primar Ärzten/innen geht. In Wien wird eine OP Methode angeboten, mit der man keinen Geschlechtsverkehr vollziehen kann, dadurch kommen die Chirurgen dort erst gar nicht in eine Auswahl, diese OP dort zu machen. In Linz werden seit kurzem derartige Operationen angeboten, leider fehlt dem dortigen Chirurgen der nötige Urologe/in im Team. Auch dieser Chirurg steht noch am Anfang, aber dies ist unser einziger Hoffnung.
Gerade Aktuell ist eines unserer Mitglieder in Stationärer Psychiatrischer Behandlung, weil er den Penoidaufbau in Österreich nicht machen lassen kann, dies hat ihn in ein derartiges Loch fallen lassen das er es alleine nicht mehr geschafft hat. Hinzu kommt das er Dipl. Krankenpfleger ist und genau weiss, was auf ihn zukommt. Wenn nicht bald was passiert und die Krankenkassen nicht einlenken, dann vermute ich das Schlimmste, nicht Jeder hat genügend Kraft oder die finanzielle Mittel, um dies durchzustehen bzw. die OP´s in Deutschland machen zu lassen.
Wie bei “Mann zu Frau (MzF)” Geschlechts-Angleichende OP´s der Stand der Dinge ist, kann ich leider nicht sagen.
GOTS: Welche Vor- und Nach-Behandlung bedarf es bei einem solchen Eingriff? Ist die Angleichung nach einer OP gleich erledigt?
Nikolas: Die Operationen erstrecken sich meist über Jahre und nicht immer funktioniert alles von Anfang an, schließlich ist der Penoidaufbau eine der schwersten und komplikationsreichsten Operationen die es im Gebiet der Plastischen und Uroplastischen Sparte gibt. Den Chirurgen wird einiges abverlangt und gerade beim Penoidaufbau stehen Chirurgen bis zu 9 Stunden im OP. Die Nachbehandlung gestaltet sich schwierig, da sich nicht jeder Arzt an die Thematik herantraut. Ich erinnere mich noch, dass ich in einem bei uns ansässigen Krankenhaus abgewiesen wurde was die Wundversorgung betrifft, ich solle dorthin fahren wo die OP gemacht wurde. Was mich auch extrem traurig macht, dass ganz viele Chirurgen uns als gestört ansehen, aber sagen trauen sie sich dies natürlich nicht.
GOTS: Wie wichtig ist eine Unterstützung während dieser Entscheidungsphase und wohin können Betroffene sich wenden.
Nikolas: Jeder Betroffene kann sich an unseren Verein www.transmann-austria.at wenden, wir haben eine Peerberatung eingerichtet für Betroffene und Angehörige. Als Betroffener hat man bereits einiges an Fachwissen angesammelt und kann dieses an andere Betroffene weiter geben. Wir planen österreichweite Freizeitaktivitäten und auch gemeinsame Ausflüge. Jeder Betroffene kann sich bei uns melden, egal auf welcher Etappe er sich befindet und egal ob ganz am Anfang befindet oder bereits mit allem fertig ist.
GOTS: Wie empfindest Du den Song? Horst und Monika
Nikolas: Ich empfinde den Song als sehr denunzierend und diskriminierend! Die Betroffene durchläuft auch ein Extrem, was ich aber irgendwie verstehen kann, da sie vermutlich keinen Halt aus der Familie hatte und sich somit an eine Gruppe festgeklammert hat, wo sie akzeptiert wurde. Bei Frauen die zu Männern werden gehen auch viele durch eine extrem maskuline Phase, in der Einige sogar zum Bundesheer als Berufssoldat gehen, um sich über ihr Anders sein hinwegzutäuschen.
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